Einen ganzen Schulmorgen verbrachten drei Lerngruppen der Lingener Fachschule St. Franziskus mit dem Forum Juden-Christen. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher besuchten drei Lernstationen. Auf dem Jüdischen Friedhof an der Weidestraße stellte Georg Wichmann einzelne Grabstellen und die jüdische Begräbniskultur vor. Dr. Walter Höltermann informierte über das Schicksal des Kaufmanns und Kivelings Fredy Markreich, dessen Geschäft in der Großen Straße in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 von Nazihorden zerstört und geplündert wurde. Von dort führte Höltermann die Gruppen zur Marienstraße. Am Stolperstein für Emma Wolff, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde, berichtete Höltermann über das „Judenhaus“ in der Marienstraße 4., in das die Nazis jüdische Familien aus Lingen, Freren, Lengerich, Haren und Meppen zusammenpferchten. Die Häuser der später ermordeten Eingewiesenen wurden enteignet.
Am Gedenkort Jüdische Schule berichteten Simon Göhler und Dr. Friedhelm Wolski-Prenger über das vernichtete jüdische Leben in Lingen und über die Rettung des Schulgebäudes, das aus „Brandschutzgründen“ dem Schicksal der zerstörten Synagoge entging. Auf Initiative des Arbeitskreises Judentum-Christentum, Vorläufer des Forums, wurde das als Pferdestall und Lagerraum genutze Schulhaus von der Stadt Lingen angekauft und mit hohen Kosten renoviert.
Forum-Vorsitzender Simon Göhler freute sich über die zwischenzeitlich umgesetzte Ankündigung von Schulleiter Dr. Ludger Mehring, dass die Fachschule Mitglied des Forums werden wolle.