Simon Göhler zeigte sich bei seiner Begrüßung zum letzten Lehrhausabend der Saison 24/25 zufrieden mit der Entscheidung, in die Kunsthalle Lingen auszuweichen. Er dankte Gastgeberin Meike Behm für die Möglichkeit, das Thema „Thomas Mann und die Juden“ vor großem Publikum darzustellen. Der Schriftsteller wurde vor 125 Jahren geboren und starb vor 70 Jahren, daher gilt 2025 als „Thomas-Mann-Jahr“.
Das Forum hatte dazu Georg Aehling gewonnen. Der Autor zweier Bücher über Thomas Mann stellte zunächst biografische Aspekte vor. Manns Schwiegervater Alfred Pringsheim war ein wohlhabender jüdischer Großbürger in München, der u.a. den antisemitischen Komponisten Richard Wagner gefördert hatte. Das hinderte die Nazis nicht daran, Pringsheim zu verfolgen, zu enteignen und schließlich zu vertreiben. Dessen Tochter Katia, Thomas Manns Ehefrau, wurde wie beider Kinder evangelisch getauft. Die Familie musste dennoch vor dem Rassenhass der Nazis fliehen.
Wie der Referent berichtete, hatte der Schriftsteller ein positives Bild von jüdischen Menschen. Aehling: „Thomas Mann bezeichnete sich selbst in zahlreichen Aufsätzen als Philosemiten. Er sympathisierte mit den Juden, weil er sich als Künstler und Homoerotiker sowie durch seine teils kreolische Herkunft mit deren Randstellung in der damaligen Gesellschaft identifizierte.“ Großmutter Mann stammte aus Brasilien.
Aehling interpretierte abschließend Ausschnitte aus dem Werk des Nobelpreisträgers: „In seinen frühen Werken zeichnet er häufig stereotype und klischeehafte Bilder von Juden, jedoch mit judenfreundlicher Absicht, da er auf diese Weise ihre Außenseiterrolle verdeutlichte. In den Joseph-Romanen zeigte er dagegen die kulturelle Leistung des Judentums für die gesamte Menschheit auf.“Der Referent ging auch auf den Kampf des nach Amerika geflohenen Autors ein. Die BBC sendete viele Ansprachen von Thomas Mann, mit denen er die deutschen Hörer über die Verbrechen der Nazis aufklärte. Gedankt wurde ihm dies nicht, als er nach Deutschland zurückkehrte.
Simon Göhler und sein Stellvertreter Dr. Walter Höltermann dankten Georg Aehling mit Präsenten und einem Schalomstein. Diese kleinen Kunstwerke gestaltet der Gründungsvorsitzende des Arbeitskreises Judentum-Christentum, Josef Möddel, für Gäste des Forums.